Epson-Drucker arbeiten mit einem Piezo-Druckkopf: Ein Piezo-Element verformt sich unter elektrischer Spannung und drückt so die Tinte aus der Düse, ohne sie zu erhitzen. Micro Piezo heißt diese Technik bei Epson seit 1993. PrecisionCore ist die neuere Generation mit Druckchips aus hauchdünnen Piezo-Schichten. Der Druckkopf sitzt fest im Drucker.
Wie funktioniert ein Piezo-Druckkopf?
Der Druckkopf ist das Bauteil mit den feinen Düsen, aus denen die Tinte aufs Papier kommt. Bei einem Piezo-Druckkopf arbeitet für jede Düse ein Piezo-Element. Es besteht aus einem Material, das seine Form ändert, sobald eine elektrische Spannung anliegt. Laut Epson pulsieren diese Piezo-Kristalle, wenn sie vom Drucker elektrische Signale erhalten. Vereinfacht läuft das so ab:
- Der Drucker verarbeitet die Druckdaten und schickt für jede Düse, die drucken soll, ein elektrisches Signal an ihr Piezo-Element.
- Das Element verformt sich und drückt einen Tintentropfen aus der Düse. Epson beschreibt die Piezo-Aktoren seiner PrecisionCore-Chips ausdrücklich als Pumpen.
- Über die angelegte Spannung steuert der Drucker, wie viel Tinte die Düse ausstößt. So entstehen unterschiedlich große Tropfen.
- Das wiederholt sich in schneller Folge: Bei Micro Piezo gibt jede Düse laut Epson etwa 40.000 Tropfen pro Sekunde ab.
Laut Epson kann jede Düse Tropfen in bis zu fünf Größen erzeugen: größere Punkte für gleichmäßige Farbflächen, kleinere für feine Details und weiche Farbverläufe. In den technischen Daten mancher Modelle steht dazu der Zusatz „mit Variable-sized Droplet-Technologie“. Als Beispiel für einen einzelnen Tropfen nennt Epson 1,5 Picoliter; ein Picoliter ist ein billionstel Liter. Wie klein die Tropfen bei Ihrem Modell sind, steht in dessen technischen Daten. Was Tropfen und Punkte für die Auflösung bedeuten, erklärt der Beitrag DPI Bedeutung im Druck.
Thermisch oder piezoelektrisch: Was ist der Unterschied?
Bei Tintenstrahldruckern gibt es laut Epson im Wesentlichen zwei Arten von Druckköpfen: mit Heizelement oder mit Piezo-Element.
- Thermischer Druckkopf: Ein Heizelement erwärmt die Tinte. Dabei entsteht eine Blase, die die Tinte durch die Düse ausstößt. Mit Hitze arbeiten zum Beispiel die FINE-Druckköpfe von Canon (Bubble Jet) und die HP PageWide-Drucker (HP Thermal Inkjet).
- Piezoelektrischer Druckkopf: Ein Piezo-Element verformt sich unter Spannung und presst die Tinte aus der Düse. Die Tinte wird dabei nicht erhitzt. Laut Epson arbeiten alle Epson-Drucker so.
Weil die Tinte nicht erwärmt wird, hatte Epson nach eigenen Angaben schon beim ersten Micro-Piezo-Drucker mehr Spielraum bei der Zusammensetzung seiner Tinten. Heute nennt Epson eine breite Auswahl an Tinten bis hin zu wärmeempfindlichen Flüssigkeiten. Laut Epson kommt die Micro-Piezo-Technik auch außerhalb von Büro und Wohnzimmer zum Einsatz, etwa beim Bedrucken von Stoffen, bei der Herstellung von Farbfiltern und beim Aufbringen von Mustern auf elektronische Platinen.
Unabhängig vom Verfahren unterscheiden sich Drucker darin, wo der Druckkopf sitzt. Bei Epson ist er fest im Drucker eingebaut; Epson spricht von einem Permanent-Druckkopf. Patronen, Tintenbehälter oder Tintenbeutel liefern nur die Tinte. Bei Canon-FINE-Patronen steckt der Druckkopf dagegen in der Patrone und wird mit jedem Wechsel erneuert. Mehr dazu lesen Sie in den Beiträgen Der Aufbau einer Druckerpatrone und HP PageWide: Technik und Druckerserien.
Micro Piezo oder PrecisionCore: Was ist der Unterschied?
Beide Techniken arbeiten mit Piezo-Elementen. Micro Piezo ist Epsons Piezo-Technik seit 1993: Sie kam laut Epson zuerst im Stylus 800 auf den Markt, mit einem Mehrschicht-Piezoaktor und 48 Düsen. PrecisionCore ist die neuere Generation. Ihr Kern ist der MicroTFP-Druckchip, ein Modul, aus dem Epson unterschiedlich große Druckköpfe zusammensetzt. Er beruht auf der Dünnfilm-Piezotechnik (TFP), die Epson zuvor in kommerziellen Großformatdruckern eingesetzt hat. Die Tabelle fasst die Angaben von Epson zusammen.
| Merkmal | Micro Piezo | PrecisionCore |
|---|---|---|
| Einführung | 1993 mit dem Epson Stylus 800 | neuere Generation; Epson nennt sie seine jüngste Drucktechnologie |
| Piezo-Element | beim Stylus 800 ein Mehrschicht-Piezoaktor | Dünnfilm-Piezo (TFP), etwa 1 Mikrometer dick, auf einem Siliziumwafer gefertigt |
| Tropfen pro Sekunde und Düse | etwa 40.000 | bis zu 50.000 |
| Tropfengröße | bis zu fünf Größen je Düse | Tropfenmenge über die Spannung steuerbar, verschiedene Größen aus einer Düse |
| Aufbau | Druckkopf fest im Drucker (Permanent-Druckkopf) | aus modularen MicroTFP-Chips zusammengesetzt, vom Schreibtischdrucker bis zur industriellen Drucklinie |
| Beispiel aus den Epson-Daten | EcoTank ET-2850: „Epson Micro Piezo™-Druckkopf“, 180 Düsen Schwarz, 59 Düsen pro Farbe | WorkForce Pro WF-C879RDTWF: „PrecisionCore™-Druckkopf“, 800 Düsen Schwarz, 800 Düsen pro Farbe, minimale Tröpfchengröße 4,6 Picoliter |
Laut Epson bieten PrecisionCore-Druckköpfe mehr als die doppelte Auflösung früherer Epson-Piezo-Druckköpfe. Außerdem nutzt Epson bei PrecisionCore das Piezo-Element als Sensor: Weil es beim Verformen selbst eine Spannung erzeugt, prüft eine Selbstdiagnose innerhalb von Tausendstelsekunden, ob eine Düse normal ausstößt oder ob sich Luftblasen bilden, die den Ausstoß behindern könnten. Als geeignete Tinten nennt Epson für PrecisionCore unter anderem wasserbasierte, lösemittelhaltige und UV-härtende Tinten.
Welchen Druckkopf hat mein Epson-Drucker?
Das verrät die Produktseite Ihres Modells auf epson.de:
- Suchen Sie auf epson.de nach Ihrem Druckermodell und öffnen Sie die Produktseite.
- Öffnen Sie die technischen Daten des Geräts.
- Lesen Sie im Abschnitt „Technik“ die Zeile „Druckmethode“. Dort steht zum Beispiel „Epson Micro Piezo™-Druckkopf“ oder „PrecisionCore™-Druckkopf“.
- Die Zeile „Düsenkonfiguration“ nennt die Zahl der Düsen. Bei manchen Modellen folgt die minimale Tröpfchengröße.
Die Düsenzahl steht auch im Benutzerhandbuch, beim ET-2850 unter „Produktspezifikationen“ als „Anordnung der Druckkopfdüsen“. Für den Kauf von Tinte zählt dagegen nur Ihr Druckermodell: Tintenflaschen für den Epson EcoTank ET-2850 und Tinte für den Epson WorkForce Pro WF-C879RDTWF finden Sie auf den Geräteseiten, alle weiteren Modelle unter Epson-Druckerpatronen.
Wie pflege ich den Druckkopf meines Epson-Druckers?
Was Sie für den Druckkopf tun können, steht im Benutzerhandbuch Ihres Modells. Für den EcoTank ET-2850 beschreibt Epson diese Schritte:
- Schalten Sie den Drucker immer mit der Ein/Aus-Taste ein und aus. Ziehen Sie den Netzstecker erst, wenn die Netzanzeige erloschen ist. Nur so wird der Druckkopf verschlossen; Epson vergleicht das mit der Kappe eines Stifts, die das Austrocknen verhindert.
- Sind Ausdrucke blass, streifig oder zeigen sie unerwartete Farben, drucken Sie zuerst einen Düsentest: am Bedienfeld unter „Wartung“ > „Düsentest“, am Windows-PC im Druckertreiber auf der Registerkarte „Utility“.
- Fehlen im Testmuster Linien, starten Sie die Druckkopfreinigung. Sie verbraucht Tinte. Schalten Sie den Drucker währenddessen nicht aus.
- Bessert sich die Druckqualität nach drei Durchgängen aus Düsentest und Reinigung nicht, drucken Sie mindestens 12 Stunden nicht und testen dann erneut. Hilft auch das nicht, sieht Epson beim ET-2850 die Powerreinigung vor. Sie verkürzt laut Epson die Nutzungsdauer der Tintenkissen.
- Sind senkrechte Linien versetzt oder wirken Ausdrucke verschwommen, richten Sie den Druckkopf unter „Wartung“ > „Druckkopf-Justage“ aus.
Den Druckkopf selbst fassen Sie nicht an: Epson warnt davor, ihn von Hand zu bewegen, weil das den Drucker beschädigen kann. Bleibt die Druckqualität auch danach schlecht, wenden Sie sich an den Epson-Support. Bei anderen Epson-Modellen können Menüs und Schritte abweichen. Allgemeine Pflegehinweise finden Sie im Beitrag Drucker-Wartung: So pflegen Sie Tintenstrahl- und Laserdrucker, den Druckertreiber mit der Registerkarte „Utility“ in der Anleitung Epson Treiber herunterladen und installieren.
Häufige Fragen
Was ist ein Piezo-Druckkopf?
Ein Druckkopf, der die Tinte mit Piezo-Elementen ausstößt. Unter elektrischer Spannung verformen sie sich und drücken einen Tropfen aus der Düse; die Tinte wird dabei nicht erhitzt. Laut Epson arbeiten alle Epson-Drucker mit dieser Technik.
Was ist der Unterschied zwischen Micro Piezo und PrecisionCore?
Beides sind Piezo-Techniken von Epson. Micro Piezo gibt es seit 1993, PrecisionCore ist die neuere Generation mit MicroTFP-Druckchips aus Dünnfilm-Piezo, die laut Epson bis zu 50.000 Tropfen pro Sekunde und Düse ausstoßen. Welche Technik Ihr Drucker nutzt, steht in den technischen Daten unter „Druckmethode“.
Welche Drucker arbeiten mit einem Piezo-Druckkopf?
Laut Epson alle Epson-Drucker, vom EcoTank bis zum WorkForce Pro. Die FINE-Druckköpfe von Canon und die HP PageWide-Drucker arbeiten dagegen thermisch, also mit Hitze. Bei anderen Marken und Modellen hilft ein Blick in die technischen Daten oder die Technikseiten des Herstellers.
Kann ich den Epson-Druckkopf selbst reinigen oder austauschen?
Reinigen ja, aber nur über die Wartungsfunktionen des Druckers: Düsentest, Druckkopfreinigung und bei EcoTank-Modellen wie dem ET-2850 die Powerreinigung. Von Hand bewegen sollten Sie den Druckkopf laut Epson nicht. Er sitzt fest im Drucker; bessert sich die Druckqualität trotz Reinigung und Pause nicht, ist der Epson-Support zuständig.
Was bedeutet „Variable-sized Droplet“ bei Epson?
Die Düsen geben nicht immer gleich große Tropfen ab. Laut Epson erzeugt jede Düse Tropfen in bis zu fünf Größen: größere für gleichmäßige Flächen, kleinere für Details und Farbverläufe. In den technischen Daten steht der Zusatz neben der minimalen Tröpfchengröße, beim WorkForce Pro WF-C879RDTWF zum Beispiel 4,6 Picoliter.